Leseprobe

Chef mit fünf Buchstaben

Endlich habe ich die Vorzimmerdame des Herrn Delbridge am Telefon. Dieses australische Englisch verstehe ich kaum, aber das lasse ich mir nicht anmerken.

Der Chef lässt sich das Gespräch in sein Büro legen. Er denkt wohl, dass ich mit der Stern-Raute-Backslashkombination noch nicht Bescheid weiß und er den nächsten Grund zum Auslachen hat.  

 

Das Telefon klingelt. Ich melde mich und glaube meinen Ohren nicht zu trauen.

"Hallo Kind. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie ich mich freue, dass du wieder Arbeit hast. Mutti hat es mir erzählt und sie hat mir auch deine Telefonnummer gegeben. Ach Kind, das ist wirklich so schön. Du weißt gar nicht", ich will es jetzt nicht wissen. Ich kann mir absolut kein Privatgespräch erlauben. Ich flüstere in den Apparat: "Oma!"

Es war zu laut, der Chef steht schon wieder hinter mir und wiederholt: "Oma?"

Ich schrei in den Hörer: "Nein, das tut mir leid, einen Herrn namens Omar haben wir hier nicht", und lege auf.

Es dauert keine halbe Minute da klingelt erneut das Telefon und ich erkenne die Telefonnummer meiner Oma auf dem Display.

"Das Telefon klingelt", äußert Vomteller, als ob ich es nicht selbst hören würde.

So langsam wie es mir möglich ist, nehme ich den Hörer wieder ab und sage meinen Satz so lang gezogen wie möglich auf: "Chefabteilung der Firma Sonnenporzellan- und Keramikmanufaktur. Ich wünsche Ihnen einen schönen guten Tag. Sie sprechen mit Frau Anita Röckel. Was kann ich für Sie tun?"

Obwohl ich am anderen Ende höre: "Ja Kind, ich weiß, ich bin es doch, Oma!", lasse ich mich nicht unterbrechen und hoffe, dass Oma es schnallt, und dass mein Schatten endlich wieder in seinem Büro verschwindet. Beide tun mir nicht den Gefallen. Wie eine Statue steht er neben mir und wartet. Ich lasse Oma quatschen, sieze sie und sie ruft immer wieder so laut in mein Ohr: "Ich bin es doch! Oma!", dass ich Bedenken habe, Vomteller könnte es auch hören. Meine Ohrmuschel ist heiß und taub, denn normalerweise könnte ich bei Omas Lautstärke immer den Hörer im Abstand von einem Meter weg halten, dann wäre der Hall als angenehm zu empfinden.

Oma merkt gar nichts. Sie fragt mich, ob ich ihr noch ein halbes Brot mitbringen könne und ich verabschiede mich förmlich und lege einfach auf.